25 von 500 Berliner Doppeldeckern fahren bald elektrisch

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Retro-Busse auf Elektro-Antrieb umrüsten

Die Umrüstung auf e-Antrieb ab 2019 halbiert die Betreiberkosten für die Touristbusse von 1,5 Euro je Kilometer auf 75 Cent und umgeht etwaige Fahrverbote für Dieselstinker. (c) Grafik: Tassima

Schon im nächsten Jahr werden die ersten 25 der rund 500 berühmten dieselbetriebenen Oldtimer-Busse nahezu lautlos und emissionsfrei durch die Innenstadt gleiten. Die Vorbereitungen, die in die Jahre gekommenen Touristenbeförderer auf Strombetrieb umzurüsten, laufen auf Hochtouren.

Bereits 2020 sollen aus den 25 Fahrzeugen 75 geworden sein und im Jahr darauf kommt ein E-Bus pro Tag dazu. Ein millionenschweres Projekt in Berlin ist es, für das sich mehrere Firmen zur
Tassima AG zusammengeschlossen haben; und ein Beitrag zu sauberen und leiseren Städten.
In einer 6.000 Quadratmeter großen Leichtbauhalle beim Flughafen Schönefeld beginnen kommendes Jahr die Umrüstungen, für die sich das Konsortium Tassima AG aus vier Partnern gegründet hat. „Wir kaufen die teils 30 Jahre alten Busse, die schon vor Jahren aus dem Linien- oder Reiseverkehr ausgemustert wurden, zum Restwert auf, rüsten die Busse auf E-Antrieb um und verleasen sie an deren private Betreiber aus der Touristikbranche zurück,“ sagt Rainer Nobereit. Die Kosten pro Fahrzeug, so der Vorstandsvorsitzende der dafür gegründeten Aktiengesellschaft, betragen bis zu 500.000 Euro.

E-Motor und Leistungselektronik in Radnaben

Die Antriebseinheiten liefert die VW-Tochter IAV, die elektrische Antriebsachse als Plug&Play-Umrüstsatz der Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg. E-Motor und Leistungselektronik werden jeweils in die Radnaben integriert, nachdem der alte Antrieb ausgebaut und die ausgeräumte Karosserie zunächst runderneuert wurde. Die kompakte Bauweise soll auch für den Einsatz in Niederflurbussen geeignet sein. Die Batterie kann je nach gewünschter Reichweite individuell angepasst werden und findet an der Stelle Platz, wo vorher der Dieselmotor montiert war. Auch die verschlissenen Sitze und das Interieur der Oldtimer werden bei Bedarf erneuert.
Eine Nürnberger Leasinggesellschaft finanziert die Umrüstung und anschließende Vermietung. Für diesen Zweck gründet die AG eine Mietpool-Gesellschaft. Die Retro-Busse, die häufig nur die Euro2- oder Euro3-Norm erfüllen, laufen mit Sondergenehmigung. Und da die Oldtimer fast immer unter 30 km/h fahren mit häufigen Stopps bei laufendem Motor, laufen die Dieselmotoren nur im unteren Drehzahlbereich, weshalb sie extrem ineffizient sind und erhöht Feinstaub ausstoßen.
„Für die Umrüstung gibt es neben der Rentabilität weitere Gründe“, wirbt Nobereit und nennt Steuervorteile durch Leasing, drohende Fahrverbote (wie jüngst in Krakau erlassen), Imagegewinn oder Vergabevorteile bei öffentlichen Ausschreibungen. Denn nach der Touristik könnten ÖPNV-Linien und Müllfahrzeuge für weitere Nachfrage sorgen. In der Anlaufphase will Tassima 35 Jobs für Facharbeiter wie Hochvoltspezialisten, Schweißer, Tischler oder Polsterer schaffen. Die Halle ist auf bis zu 150 Busse pro Jahr ausgelegt, die zwischen zwei und zwölf Wochen umgerüstet werden. Dann braucht es mindestens 50 Mitarbeiter. Auch vier Hebebühnen und Lackierkabinen werden dann benötigt. Um die Durchlaufzeit gering zu halten, sollen möglichst viele Arbeiten vor Ort erfolgen.

Weitere 15 bis 20 Jahre in Betrieb

„Die Umrüstung halbiert die Betreiberkosten von 1,5 Euro je Kilometer auf 75 Cent“, sagt Roland Prejawa, Aufsichtsratsvorsitzender der Tassima AG. Dabei kalkuliert der Logistiker mit 23 Cent je Kilowattstunde. Sollte der Strom, wie langfristig geplant, regenerativ erzeugt werden, kann dieser deutlich günstiger erzeugt werden und damit die Rentabilität weiter erhöhen. Solarparks liefern mittlerweile die Kilowattstunde zu sechs Cent. Perspektivisch können für die Stromerzeugung PV-Dächer, öffentliche Fassadenflächen oder Solarparks im Umland, zum Beispiel entlang der Autobahn, genutzt werden. Dann fahren die Busse mit Wechselbatterien: Während die eine das Fahrzeug antreibt, speichert die andere tagsüber den Sonnenstrom aus der Anlage, was zusätzlich die Netzinfrastruktur entlastet und die Energiewende begünstigt.
Durch die Umrüstung werden die Busse gut eine Tonne leichter und durch die Aufbereitung können die Oldtimer locker weitere 15 bis 20 Jahre in Betrieb bleiben, was sich gleichfalls positiv auf die Ökobilanz auswirkt. Für 2019 lautet das Ziel, 25 Busse umzurüsten, im Jahr darauf 75 und ab 2021 pro Werktag einen. Die Nachfrage kommt dann aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland, ist man sich bei der Tassima AG sicher. Und der Druck zum Umrüsten, Stichwort Sondergenehmigung für Dieselstinker, werde steigen, weil die Alternative da ist.

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