Wesentlichste Erfahrungen aus den ersten EEffG-Jahren und …

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Ausblick auf die Energieaudit-Verpflichtungsperiode II

Die Low-Hanging-Fruits in punkto Energieeffizienz sind noch lange nicht überall geerntet. (c) www.iStock.com

Nachdem 2015 für alle ein Sprung ins trübe Wasser war, und auch danach noch lange ein Fischen im Trüben, kündigt sich die zweite Welle der Energieaudits für 2019 eher als eine glasklare Reprise auf Mindestniveau an.

TEXT: DI JOSEF BUCHINGER

Vorbei ist die große Unsicherheit der Unternehmen des Jahreswechsels 2014/2015 zu Fragestellungen wie: Ist mein Unternehmen betroffen? Was decken die bestehenden Managementsysteme ab? Sind die internen Energiespezialisten als Energieauditoren qualifiziert?
Eine kleine Unklarheit ist aus derzeitiger Sicht noch, wie streng die Fristen von der nationalen Energieeffizienz-Monitoringstelle gehandhabt werden. Gemäß EEffG sind Energieaudits alle vier Jahre durchzuführen, genau genommen: wer sein Energieaudit bereits am 13. Oktober 2015 hochgeladen hat, hat bis 13. Oktober 2019 den nächsten Bericht hochzuladen.
Grundsätzlich ist zu sagen: Die Umsetzung des EEffG hat wenig daran geändert, dass einerseits die proaktiven und nachhaltig denkenden Unternehmen, die bereits vor Einführung des Gesetzes aktiv ihren Energieverbrauch reduzieren wollten, dies auch weiterhin in gleicher Form tun. Andererseits haben jene, die vorher dem Thema Energie im Unternehmen keine oder nur geringe Priorität beigemessen hatten, auch nachher keine nennenswerten Ressourcen dafür frei gemacht.

Viel Aufwand, wenig Nutzen

Die wesentlichsten Erfahrungen aus den ersten Jahren der Umsetzung des Energieeffizienzgesetzes aus Sicht der Wirtschaft sind: viel Aufwand, wenig Zusatznutzen; hohe Kosten für Administration, Monitoring, Validierung, Kontrolle, Reporting bei den Unternehmen und der Monitoringstelle; und: Ein Energieaudit und somit das Aufzeigen von Potentialen zur Verbesserung der energetischen Leistung alleine führt nicht notwendiger Weise zu mehr Energieeffizienz. Es sind die Rahmenbedingungen des Markts, die zuletzt sehr niedrigen Energiepreise sowie ein Marktpreis von Energieeffizienzmaßnahmen, der fast gegen Null geht, und damit die geringe Wirtschaftlichkeit, die Energie-Investitionen im großen Ausmaß vermissen lassen.
Die Low-Hanging-Fruits sind aber noch nicht überall geerntet, beispielsweise sind Energieeinsparungen bei Wärme/Kälte in Prozessen und Gebäuden über Regleroptimierungen bis zu 15 Prozent meist mit kleinsten Investitionen möglich. Viele verpflichtete Unternehmen werden sich nun erst recht für die Mindestvariante zur Herstellung der Gesetzeskonformität entscheiden, und den Aufwand für ein Energieaudit aufs Geringste beschränken wollen. Mit den Berichten der Energieaudits aus der ersten Periode liegt grundsätzlich auch eine Ausgangsbasis vor, die vor allem einleitende Schritte und die neuerlichen Beauftragungen von externen Energieauditoren bei den Unternehmen wesentlich vereinfachen und verkürzen werden.
Die Erfahrungen aus dem Jahr 2015 haben gezeigt, dass aufgrund der enormen Anzahl an gleichzeitig zu erstellenden Energieaudits (755 externe, 521 interne gemeldete Audits) bundesweit die Auslastung der Energiedienstleister sehr hoch war. Im Jahr 2019 dürfte es an den Ressourcen der Energiedienstleister nicht scheitern, denn im Vergleich zu Februar 2015 stehen nun weitaus mehr registrierte Energieauditoren (+ 460 Prozent) in den Startlöchern, die auf eine in etwa gleich große Anzahl an Audits, jedoch mit kürzerer Dauer abzielen. Es überrascht daher nicht, dass die Energiedienstleister die Akquisetätigkeiten bereits voll angefahren haben, und mit Frühbucherrabatten werben. Andererseits gehen auch die ersten Unternehmen schon direkt auf die Energieauditoren zu, oder haben die langwierigen Ausschreibungsverfahren begonnen. Was zählt, ist der Preis. Unter dem wesentlich höheren Marktdruck wird oft die Qualität und Aussagekraft der Audits leiden.

Nur wenige ISO 50001 Zertifikate

Einen nachhaltigen Nutzen versprechen Energiemanagementsysteme (nach ISO 50001), weil sie Unternehmen zu einer kontinuierlichen Beschäftigung mit dem Thema selbst verpflichten und langfristige Verbesserungspotenziale umsetzen helfen. Die Anzahl jener Unternehmen, die die alternative Verpflichtung des § 9 EEffG über ein zertifiziertes Managementsystem eingingen, bleibt überschaubar: Die Anzahl der Zertifikate für ein Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 hat sich in Österreich seit 2014 sogar um vier auf 1.168 reduziert. Im Jahr 2014 gab es 109 Zertifikate für ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001, bis zum Jahresende 2015 waren es 220. Bis Ende 2017 sind nur noch 28 weitere hinzugekommen.
Auf der Strecke bleibt im Wesentlichen die Energieeffizienz, und somit der Klimaschutz. Kann man nur hoffen, dass das EEff-Gesetz nach einer nun laufenden Evaluierung für die Periode nach 2020 maßgeblich verbessert wird.

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